Wir lieben Konsens

Aller Anfang ist schwer

Posted on: 18. Februar 2011

Wie ich in einem Kommentar sagte:

Ich stimme zu, dass gerade ohne Übung Kommunikation und Konsensgespräche komisch rüberkommen können. Aber das ist, mit Verlaub, überall so. Gerade habe ich einen neuen Job angefangen, bis ich ins Referendariat gehe, und da ist man am Anfang auch unsicher und macht komische Sachen und Fehler. Aber darum sagt niemand, „Hör auf zu arbeiten, das bringt nix“. Und die Geschichten vom ersten Mal sind nahezu universell komisch-peinlich, weil man ungeübt ist. Trotzdem haben die Leute weiter Sex. Warum: weil es sich lohnt, weil es sich auszahlt.

Und als ich darüber nachdachte, kam mir die Idee: anstatt hier als Lehrmeister aufzutreten, warum nicht diese Lernerfahrungen schildern?

Dazu soll dieser Beitrag dienen, der nach und nach aufgefüllt werden soll. Und natürlich sind die Kommentare auch dazu geeignet, eigene Geschichten loszuwerden.

UPDATE: Ich fange mal poetisch an. Hier sind Auszüge aus einem Gedicht, das ich einer (jetzt) Exfreundin schrieb:

Ich will dir befehlen
aber ich schweige
denke
gleich
nächstes Mal
wenn es eins gibt

Stummen Befehlen kann man nicht gehorchen
nicht einmal du
nicht einmal mir

Ohne auf die Hintergründe genauer einzugehen: Reden ist schwer. Es ist heute noch nicht einfach für mich, verbal zu agieren, weil ich fürchte, meine Wortwahl mache die Stimmung kaputt.

Insofern sind die meisten meiner negativen Erfahrungen eher dem Schweigen anzulasten als dem Sprechen…

Wir hatten uns in der Stadt verabredet. Es war ein netter Tag, wir redeten und bummelten und lernten uns kennen. Dann irgendwann hieß es so langsam, sich für heute zu trennen. Mein erster Versuch kam gut an: »Ich möchte dich wirklich gerne küssen« wurde beantwortet: »Na, und ich dachte schon, es passiert gar nichts mehr!« Ich hatte meine Hand an ihrer Wange, ihrem Hals. Sie legte die Hand auf ihren Busen. Hätte sie es zugelassen, dass ich die Hand unter ihr Shirt schiebe? Vielleicht. Aber ich habe gefragt. »Kann ich die Hand drunterschieben?« Da haben wir uns gelöst, und sie sagte: »Heute nicht.« Und ging.

Heute würde ich es vielleicht anders formulieren. »Das Hemd stört« oder so ähnlich. Aber doch die Intention klar machen. Denn beim ersten zweisamen Treffen war die Frage, wie weit Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit gehen kann und soll, noch nicht erörtert.

War trotzdem eine blöde Zugfahrt heim, voller »hätte« und »wäre«.

Vor allem habe ich gelernt, dass Zaghaftigkeit nicht hilft. Wenn ich selbst schon unsicher erscheine, ob ich das auch wirklich will, was ich behaupte, dann kann ich damit niemanden überzeugen.

Wir schmusen miteinander. Ich habe ganz frisch Baumwollseil gekauft (ja ja, die Jugend).
»Was hältst du eigentlich von Bondage?«, frage ich unschuldig (von wegen). »Och«, sagt sie. »Geht so, wieso?«
»Nur so«, lüge ich. »Ich hab da so Bilder gesehen und dachte, man könnte das mal probieren.«
Naserümpfen. »Nee, das brauche ich nicht.«
Ich bin enttäuscht und ein wenig beleidigt. Sie auch etwas verwirrt. Und schmusen ist irgendwie out. Der Tag ist dahin.

Später einmal übrigens kriege ich zu hören: »Bondage gibt mir ja nicht so viel, aber dein Gesicht dabei ist es wert.« Wenn man das vorher wüsste.

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