Wir lieben Konsens

Auf der Suche nach trans*sensibler Sprache

Posted on: 15. Mai 2011

Ein aktuelles Problem ist für mich im Moment, dass ich nicht weiß wie ich respektvoll mit manchen Menschen in meinem Umkreis über Berührungen reden soll die nicht einfach in die Gender* Mann oder Frau passen. Dass es Verschiebungen über diese Grenzen gibt. Und andere, weitere Gender. Wie frage ich Menschen, welches Gender sie haben? Ich weiß es nicht. Wenn ich mit Menschen im Bett bin, deren Gender ich nicht kenne, wie gehe ich damit um? Ich weiß es bisher nicht.

Wenn ich mit einem Transmann schlafe, ist es dann ein Dildo oder ein Schwanz den ich berühre? Oder mag er die beiden Wörter nicht und hat seine eigenen?
Wenn ich mit einer Biofrau das baugleiche Spielzeug benutze, ist das dann ihr Dildo oder ihr Schwanz?
Wie gehe ich damit um, wenn ich die Transfrau die ich gestern Abend so leidenschaftlich geküsst habe jetzt nicht küssen mag, weil mich Bartstoppeln nerven? Wie sage ich ihr das, ohne sie zu verletzen? Oder verletze ich sie gar nicht, wenn ich sie bitte mich nur frisch rasiert zu küssen?
Und soll ich die Brüste von Transmännern mit denen ich schmuse ignorieren oder ist es okay, wenn ich mich hineinkuschle?

Hierbei sind vor allem die letzten beiden Fragestellungen für mich ein Dilemma. Bartstoppeln und Brüste, kann ich diese beiden Worte in diesem Zusammenhang bedenkenlos benutzen? Mit den Worten, die mir im Moment zur Verfügung stehen kann ich nur Dinge beschreiben, die da sind. Und keine Dinge, die nicht da sein sollen. Es wäre mir sehr unangenehm, von Brüsten zu sprechen denn der Transmann meiner Träume hat keine Brüste. Und die meisten Transmänner haben in ihren Träumen und ihrem Selbstbild vermutlich auch keine Brüste. Wenn ich nun also von Brüsten spreche vermittle ich damit eine falsche Wahrnehmung auf ihn. Auch wenn er weiß, dass ich ihn als Mann wahrnehme bringe ich mit diesem Wort die falsche Fremdwahrnehmung ins Schlafzimmer. Wo sie doch wirklich nichts zu suchen hat. Wie also etwas benennen, das gar nicht da ist und physisch aber doch. Es ist für mich ein Dilemma.

Da ich mich in Diesem nicht verrennen möchte um am Ende wort- und kopflos dazustehen, besinne ich mich auf das kleine Einmaleins des Zustimmungskonzept. Nicht die Trans*-Thematik ist anzusprechen, denn es ist nicht wichtig, was für Körperteile der Mensch den ich da gerade so gerne in den Arm nehmen möchte hat. Es ist wichtig, ob die Person umarmt werden möchte. Und wenn wir uns dann umarmen sollten stelle ich ganz einfache Fragen: Wie magst du berührt werden? Wo? Was magst du nicht? Gibt es Stellen, wo du nicht berührt werden möchtest? Gibt es Sachen, die ich machen darf ohne dich vorher jedes Mal zu fragen?
Und dann höre ich zu. Und handle im Einvernehmen mit der Person.
Die Frage mit den Wörtern und Körpern ist dann zwar noch nicht über die Bühne aber das Schweigen ist immerhin schon ein Mal gebrochen. Vielleicht ist schon das eine oder andere Wort gefallen, dass dir hilft, mit dem Trans*-Sein sensibel umzugehen. Dort kannst du beim nächsten Mal ja anknüpfen.

*Gender = soziales Geschlecht. Ich betrachte das soziale Geschlecht als unabhängig von dem, was Mensch von der Medizin als Geschlecht (Pullermann=Junge, nix Pullermann=Mädchen) zugeordnet wird. Bei mir ist es zufälligerweise so, dass mein biologisches Geschlecht mit dem sozialem so einigermaßen zusammenpasst. Wenn das bei dir auch so ist und du mit Transfrau, Transmann und überhaupt dem ganzem Dilemma des Artikels nicht anfangen kannst dann google mal nach queer und trans*.

7 Antworten to "Auf der Suche nach trans*sensibler Sprache"

Ich oute mich jetzt mal als vielleicht ein wenig naiv, aber im Endeffekt würde ich diese Dinge einfach fragen.

„Welches Pronomen soll ich verwenden?“

Und in meinem Verständnis wird eine Transgender-Frau damit umgehen können, dass sie noch Bartwuchs hat und sich rasiert, also wäre meine Idee, damit genauso spielerisch umzugehen wie bei Cisgender. „Du kitzelst“ oder so.

Klar kann ich fragen, welches Pronomen ich verwenden soll. Aber das klärt die Genderfrage nicht, es gibt ja nicht nur ein einzelnes Geschlecht dem „männliche“ Pronomen zugeordnet werden und nicht nur ein einzelnes Geschlecht dem „weibliche“ Pronomen zu geordnet werden.
Und die Pronomen verraten mir ja nicht, welches Selbstbild eine Person in Bezug auf ihren Körper hat.

Ja, ich würde vermutlich „Du piekst mich“ sagen. Oder „Huch, ich werde gepiekst.“
So an sich geht es mir aber nicht um die ganz konkrete Wortwahl sondern darum, wie ich über Tansangelegenheiten reden kann ohne zu triggern. Als Cisfrau kenne ich potentielle Trigger eben gar nicht und das macht es schwer, da angemessen drüber zu reden.

Ich meine ja schon generell: fragen. Zugeben. „Du, ich habe ein wenig Schwierigkeiten, wie ich darüber reden soll.“ In einer persönlichen Situation werden sich die Gegenüber wahrscheinlich freuen, dass gefragt und nicht angenommen wird. Gerade, weil die Welt jenseits der Binarität so vielfältig ist, wird es da auch viele Antworten geben.

Für eine allgemeinere Situation wie beispielsweise einen Blogbeitrag geht das natürlich schlechter; da kann man vorab auf die Schwierigkeit hinweisen und zur Not eben nach Anmerkung verbessern. Auch hier denke ich, dass die erkennbar reflektierte Haltung viel ausmacht.

Zugeben, dass ich keine Ahnung habe ist eine super Idee. Vielleicht sollte ich es tatsächlich einfach so machen.

Ein bisschen off-topic, entschuldigung, aber trotzdem;-): Ich fände es cool, wenn auf dieser großartigen Seite nicht das gesellschaftliche Bild von „Pullermann=Junge, nix Pullermann=Mädchen“ kritiklos wiederholt wird. Das ist ja nicht nur falsch, weil die Genitalien keine Rückschlüsse auf das Geschlecht zulassen, sondern auch, weil eine Vulva nicht das gleiche ist wie „kein Penis“. Ich befürchte, wenn das so unkommentiert da steht, bleibt das Bild von Vulvaträger_innen als Mangelwesen in manchem Kopf hängen.

Ansonsten: Daumen hoch:-)

Liebe Grüße,
Luc_y

Hi Luc_y,
Meckern gilt nicht, selber machen schon. Schreb doch mal einen Text für den Blog!

Mir ist klar, dass ich als Person mit ungewöhnlicher Körperkonfiguration eine „Spielanleitung“ geben muss, es macht mir gar nichts aus, da genau gefragt zu werden, kann auch sehr anregend sein :-).
Dort, wo die Teile eindeutige Namen haben (Bart, Hoden, Brüste) können sie auch gerne so bezeichnet werden. Lustig wird es bei der Eichel, weil die m.E. so funktioniert wie eine Klit, darf dann also auch gerne so bezeichnet werden :-).
Das ist aber nur so, wie ich da ticke, triggern tut da so schnell nichts, „er“ stört mich mehr. Komisch, „Schwanz“ würde mich auch eher triggern, „Penis“ ist kein Problem. Vielleicht weil Schwanz für mich vielleicht mehr mit männlicher Sexualität verknüpft ist.

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