Wir lieben Konsens

ohne Titel

Posted on: 20. März 2012

Dankeschön, für diesen Text, der mich per Mail erreicht hat!

Auf einer Feier haben wir uns kennengelernt. Nun endlich zum ersten Mal zu zweit alleine unterwegs in der Stadt. Es ist Abend wir trinken Bier, einigen uns darauf noch auf ein Konzert zu gehen. Wir hören Musik, trinken mehr Bier. Tanzen, sehen uns an, lächeln uns an. Sehen mal auf uns beim Tanzen, mal auf die Bühne und immer wieder sehen wir uns in die Augen.
Später, das Konzert ist vorbei, versinken wir in den angegammelten Sofas des Veranstaltungsraums. Rutschen immer tiefer, bis die Füße auf dem Tisch liegen. Brav sitzen wir nebeneinander und sprechen. Lachen. Und immer wieder sehen wir uns an.
So langsam merke ich wie es warm wird an meiner Seite. Wir sind wohl immer näher zusammen gerutscht. Wir reden immer weiter, über Politik, das Leben und ich merke wie mich die Nähe entspannt, wie ich mich wohl fühle durch sie. Wie ich die Wärme, die ich durch unsere Kleidungsschichten hindurch spüre, grade so wunderbar brauchen kann.
Und irgendwann ist es soweit, dass das auf dem Sofasitzen nicht mehr das Ende des Abends darstellen kann. Ich will weiter, woanders hin, aber ich will diese Nähe nicht mehr missen für diese Nacht.
Ich fange an zu denken, erinnere mich auch an diesen Blog. Erinnere mich an das Konzept nicht über Positionen, sondern Bedürfnisse zu sprechen. Ich bin mir unsicher, was ich aufs Spiel setze, wenn ich darüber zu sprechen beginne, was mein Bedürfnis ist. Wenn ich frage, was das Bedürfnis des_der anderen ist.
Ich muss ausholen, muss mich auch im Gespräch theoretisch versichern, mich verorten. Ich erkläre erst was ich machen will, bevor ich mich traue zu fragen. Ich erzähle von Bedürfnisorientierung und merke wie es komisch wird. Einen Moment lang. Ich sage, dass ich unsere Nähe genieße und merke, wie die Aufmerksamkeit, die ich vorher schon genoss eine andere wird. Ich sage, dass ich die Nähe für diese Nacht nicht mehr missen mag. Und traue mich zu sagen, dass ich die Nacht gerne neben ihm_ihr schlafen will. Eine Pause entsteht, die mich vielleicht aus der Bahn geworfen hätte, wenn sie nicht der gehaltene Blickkontakt überbrückt hätte. Ich sehe Denken. Ich frage dann doch nach: „Was ist Dein Bedürfnis für heute Nacht?“
„Ja ich kann mir das gut vorstellen, aber ich habe Probleme mit versteckten Erwartungen.“
„Nein ich habe keine versteckten Erwartungen. Ich will nur nicht alleine schlafen. Ich will einfach nur neben Dir liegen können. Nicht mehr.“
„Ok. Gehen wir zu mir oder zu Dir?“
Ein langer kalter Heimweg liegt hinter uns, unterbrochen nur vom Besuch beim Späti für das letze Bier. Das steht jetzt halb leer und schal am Tischchen vor uns. Es ist komisch sich anziehend zu finden, aber nicht zu knutschen, sich nicht anzufassen und dabei langsam seine Kleidung zu verlieren, sich einfach getrennt voneinander auszuziehen, um sich dann in Schlafkleidung, doch unter der Bettdecke wieder zu treffen. Wir liegen eine zeitlang nebeneinander, aneinander. Ich merke, dass ich, wenn wir eng aneinander liegen, einfach einen Arm zu viel habe. Ich habe keine Ahnung, wo ich meinen oben liegenden Arm hinlegen soll und außerdem würde ich sie_ihn gerne umarmen. Ist das jetzt schon eine der verdeckten Erwartungen? Ich bin müde und sprechfaul geworden.
So frage ich nur noch ein Wort: „Arm?“
„Ja.“
Festumarmt schlafen wir ein.
Glücklich.
Geborgen.

3 Antworten to "ohne Titel"

Ich wollte nur sagen, wie schön ich die Geschichte finde.

[…] schöne Geschichte übers Begehren hat auch Wir lieben Konsens diese Woche. Und auch ryuus Hort setzt sich damit […]

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