Wir lieben Konsens

Gedanken über die Umsetzbarkeit und erste Erfahrungen der Umsetzung

Posted on: 8. April 2012

Ich habe schon vor ein paar Monaten vom Zustimmungsprinzip gelesen, ich war auch von Beginn an begeistert von diesem Konzept. Jedoch plagte mich eine Zeit die Unsicherheit wie ich es für mich umsetzen kann, vorallem befürchtete ich, dass es die Stimmung zerstören könnte, wenn für alles Zustimmung eingeholt wird. Daher redete ich mit vielen Menschen, die meisten waren genauso planlos in dieser Hinsicht. Fast alle sahen darin die gleichen Probleme. Eine Person erzählte mir jedoch, wie schön es für ihn*sie ist wenn er*sie gefragt wird und für welche Handlungen er*sie sich Nachfragen wünscht.

Das Zustimmungsprinzip wurde langsam nicht nur eine Sache die selbstverständlich sein sollte, nein vielmehr fand ich den Gedanken erotisch und sehr spannend. Freute mich direkt es „auszuprobieren“. Vorallem seh ich es als den Anker der mir die Unsicherheit nimmt, ob ich zu weit gehe, bzw. ob die andere Person genauso fühlt oder das selbe Verlangen hat.

In der Praxis erweist es sich jedoch als viel schwieriger, als ich dachte. Bei Menschen mit denen ich bereits Sex hatte, fällt es mir besonders schwer nachzufragen. Es fällt mir meist recht leicht, einer Person zu sagen, dass ich es schön fände ihn*sie zu küssen. Jedoch wird es mit steigender Intimität immer schwieriger, habe Angst, dass ich die andere*n Person*en verunsichere. Oder, dass ich sie*ihn gar unter Druck setze mit meiner Frage oder Wunschäußerung.

Vor kurzem bin ich knutschend mit einer Person im Bett gelegen. Es war toll. Ich fragte ihn*sie ob er*sie das T-Shirt anlassen möchte. Er*sie sagte ja. Das war auch völlig ok für mich und wir knutschten weiter. Nach etwa 10 Minuten zog er*sie das T-Shirt aus… das war der Punkt, bei dem ich mich fragte, ob ich mit der Frage zu weit gegangen bin und ob ich die andere Person unter Druck gesetzt habe. Nach dem Sex sprachen wir über den Sex, aber ich traute mich nicht mehr das T-Shirt anzusprechen.

Ich würde euch gerne noch von letzter Woche erzählen, bei einer Party lernte ich eine interessante Person kennen, wir hatten tolle Gespräche und uns echt gut verstanden. Zu späterer Stunde küssten wir uns, gingen darüber hinaus und schliefen neben einander ein. Ein paar Tage später trafen wir uns. Im Park lagen wir in der Wiese und redeten ewig über Beziehungen und Sex. Wir lagen uns sehr nah und streichelten unsere Arme und Hände. Ich sagte, dass ich ihn*sie gerne küsssen würde und ob er*sie es auch möchte. Es kam ein nein und dass ich süß sei, weil ich immer nachfrage. Ich freute mich extrem über dieses nein:) einfach aus dem Grund, weil ich mir sicher bin, dass er*sie es zugelassen hätte, wenn ich ihn*sie „einfach“ geküsst hätte. Aber so habe ich das Gefühl, dass ich etwas richtig gemacht habe. Nächste Woche treffen wir uns wieder. Beim Schreiben stellt sich mir die Frage, wann es ok ist, wieder nach Zustimmung zu fragen,wenn die andere Person nein gesagt hat?

Es schwirren viele Fragen in meinem Kopf und ich muss noch viel an mir arbeiten um das alles umzusetzen. Aber ich freu mich darauf ;)

Schokoente

1 Response to "Gedanken über die Umsetzbarkeit und erste Erfahrungen der Umsetzung"

Es ist natürlich eine schwierige Frage, wann man wieder fragen kann, nach einem Nein. Denn ständiges Nachfragen kann ja auch schnell als Drängeln aufgefasst werden. Doch das Ziel ist ja eigentlich, keinen Druck auszuüben. Das hängt natürlich stark von der Situation ab, deshalb hier ein Beispiel von mir, als ich selbst in einer solchen Situation war. Allerdings habe ich nein gesagt. Also, mein*e Partner*in und ich hatten über eine bestimmte Sexpraktik gesprochen und es war klar, dass wir beide Lust darauf hatten, diese auszuprobieren, unklar war nur der Zeitpunkt. Ich hatte gewisse Vorbehalte und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dieser Praxis, obwohl ich Lust darauf hatte und es gern ausprobieren wollte. Wir sprachen darüber, doch ich konnte meine Bedenken nur teilweise erklären und wir konnten sie auch nur teilweise aus dem Weg räumen. Wir waren an einem Punkt wo wir eigentlich nur noch durch ausprobieren weiter kommen konnten, da sich nunmal nicht vorher vollständig klären lässt, ob einem etwas gefallen wird, oder nicht. Meine Bereitschaft zum Ausprobieren schwankte recht stark je nach Situation, Laune, Lust, etc. Letztlich hat mein*e Partner*in zweimal danach gefragt, indem er*sie mir sagte jetzt Lust darauf zu haben, und fragte wie es bei mir gerade aussieht. Beide Male habe ich nein gesagt, da ich noch Zeit brauchte, noch nicht so weit war. Nach der Zweiten Ablehnung kam ich mir etwas komisch vor, mir war es unangenehm ihn* sie schon wieder abzulehnen und ich fühlte mich ein wenig unter Druck gesetzt, obwohl sehr zurückhaltend gefragt wurde. Mein*e Partner*in hat das gemerkt und meinte dann, dass er*sie mich nicht unter Druck setzen will und deshalb jetzt nicht mehr danach fragen wird, sondern mir die Initiative in dieser Sache überlassen wird. Wenn ich gerade Lust habe und den Moment zum Ausprobieren richtig finde, dann sollte ich mich melden. Das hat dann zwar ne ganze Weile gedauert in der wir mehrfach Sex hatten, ohne das auszuprobieren. Doch letztlich war das so eine gute Lösung für unsere Situation. Ich kam in diesem Fall in die aktive, initiierende Rolle. Für mich verschob sich die Frage von „Wann lasse ich das zu?“ hin zu “ Wann will ich das selbst so sehr, dass ich danach frage?“ Also ne Verschiebung vom „Ja, okay dann machen wir das mal“ hin zu „Ich möchte das gern, probierst du das mit mir?“.
Wichtig fände ich also, die Unsicherheit, ob ein nochmaliges Fragen schon ein Drängeln ist, anzusprechen. Frag nach wie es der Person mit dem nein geht, und ob du bei Gelegenheit nochmal fragen darfst, oder ob du da ihr*ihm lieber die Initiative überlassen solltest. Vielleicht erfährst du so sogar die tieferen Gründe hinter dem ersten Nein, kommst in den Genuss auch mal die Initiative abgeben zu können und selbst gefragt zu werden.
Ich hoffe, das hilft dir weiter. Viel Erfolg!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: