Wir lieben Konsens

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Wie ich in einem Kommentar sagte:

Ich stimme zu, dass gerade ohne Übung Kommunikation und Konsensgespräche komisch rüberkommen können. Aber das ist, mit Verlaub, überall so. Gerade habe ich einen neuen Job angefangen, bis ich ins Referendariat gehe, und da ist man am Anfang auch unsicher und macht komische Sachen und Fehler. Aber darum sagt niemand, „Hör auf zu arbeiten, das bringt nix“. Und die Geschichten vom ersten Mal sind nahezu universell komisch-peinlich, weil man ungeübt ist. Trotzdem haben die Leute weiter Sex. Warum: weil es sich lohnt, weil es sich auszahlt.

Und als ich darüber nachdachte, kam mir die Idee: anstatt hier als Lehrmeister aufzutreten, warum nicht diese Lernerfahrungen schildern?

Dazu soll dieser Beitrag dienen, der nach und nach aufgefüllt werden soll. Und natürlich sind die Kommentare auch dazu geeignet, eigene Geschichten loszuwerden.

UPDATE: Ich fange mal poetisch an. Hier sind Auszüge aus einem Gedicht, das ich einer (jetzt) Exfreundin schrieb:

Ich will dir befehlen
aber ich schweige
denke
gleich
nächstes Mal
wenn es eins gibt

Stummen Befehlen kann man nicht gehorchen
nicht einmal du
nicht einmal mir

Ohne auf die Hintergründe genauer einzugehen: Reden ist schwer. Es ist heute noch nicht einfach für mich, verbal zu agieren, weil ich fürchte, meine Wortwahl mache die Stimmung kaputt.

Insofern sind die meisten meiner negativen Erfahrungen eher dem Schweigen anzulasten als dem Sprechen…

Wir hatten uns in der Stadt verabredet. Es war ein netter Tag, wir redeten und bummelten und lernten uns kennen. Dann irgendwann hieß es so langsam, sich für heute zu trennen. Mein erster Versuch kam gut an: »Ich möchte dich wirklich gerne küssen« wurde beantwortet: »Na, und ich dachte schon, es passiert gar nichts mehr!« Ich hatte meine Hand an ihrer Wange, ihrem Hals. Sie legte die Hand auf ihren Busen. Hätte sie es zugelassen, dass ich die Hand unter ihr Shirt schiebe? Vielleicht. Aber ich habe gefragt. »Kann ich die Hand drunterschieben?« Da haben wir uns gelöst, und sie sagte: »Heute nicht.« Und ging.

Heute würde ich es vielleicht anders formulieren. »Das Hemd stört« oder so ähnlich. Aber doch die Intention klar machen. Denn beim ersten zweisamen Treffen war die Frage, wie weit Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit gehen kann und soll, noch nicht erörtert.

War trotzdem eine blöde Zugfahrt heim, voller »hätte« und »wäre«.

Vor allem habe ich gelernt, dass Zaghaftigkeit nicht hilft. Wenn ich selbst schon unsicher erscheine, ob ich das auch wirklich will, was ich behaupte, dann kann ich damit niemanden überzeugen.

Wir schmusen miteinander. Ich habe ganz frisch Baumwollseil gekauft (ja ja, die Jugend).
»Was hältst du eigentlich von Bondage?«, frage ich unschuldig (von wegen). »Och«, sagt sie. »Geht so, wieso?«
»Nur so«, lüge ich. »Ich hab da so Bilder gesehen und dachte, man könnte das mal probieren.«
Naserümpfen. »Nee, das brauche ich nicht.«
Ich bin enttäuscht und ein wenig beleidigt. Sie auch etwas verwirrt. Und schmusen ist irgendwie out. Der Tag ist dahin.

Später einmal übrigens kriege ich zu hören: »Bondage gibt mir ja nicht so viel, aber dein Gesicht dabei ist es wert.« Wenn man das vorher wüsste.

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Wir liegen nebeneinander im Bett. Es ist schon spät, aber sie will noch nicht schlafen. »Ich mag es, wenn du mich fesselst. Oder hast du das Seil nur so mitgebracht?« Die Aufforderung ist so klar, wie sie sein kann, wenn sie nicht aus der Rolle fallen will. Schließlich soll ich das Sagen haben. Habe ich dann auch.

Neben der Kommunikation, während Sexualität stattfindet, spielt aber auch vorherige Kommunikation für uns eine Rolle. Und es gibt da viele Möglichkeiten, die ich bislang benutzt habe, um mich mit Frauen abzusprechen, um zu klären, was wir mögen und wollen.

Die expliziteste Methode ist sicher der Fragebogen. Von einer Datingseite habe ich einen Katalog mit Dutzenden von Aktivitäten kopiert und einer Bekannten, die so etwas mag, den Fragebogen zugeschickt (bei Interesse stelle ich den Bogen gerne online). Dann sind wir per Chat/Internettelefon die Aktivitäten durchgegangen und haben sie bewertet: mit »Tabu« sowie von 1 (»nur wenns sein muss«) bis 5 (»muss sein«). Dabei haben wir einerseits nett geschäkert und geflirtet, und gleichzeitig ergab sich da ein umfassender Plan dessen, was grundsätzlich möglich war – und auf den man sich dann beziehen konnte: »Heute habe ich Lust auf Nummer 77… wie siehts aus?«

Was mir auch gefällt ist der Bildertausch. Das habe ich bereits auf unterschiedliche Arten gemacht: entweder haben wir gegenseitig erotische Bilder aus dem Internet verlinkt und getauscht, die uns besonders gut gefielen. Daraus ergab sich dann ein Gespräch darüber, was uns besonders dran gefiel, und ob wir uns das auch »in echt« vorstellen konnten. Alternativ habe ich auch schon mal mehrere Bilderfolgen zugeschickt und gefragt, welches von jeweils drei ihr am Besten gefiel. Insgesamt taugen Bilder ziemlich gut dazu, sich Phantasieszenarien zu vermitteln.

Natürlich gibt es auch die direkte Ansprache, bei dem man Erfahrungen und Fantasien anspricht. Mit einer Frau habe ich erotische Träume getauscht – ich habe ein Szenario erzählt, dann sie, und wir haben besprochen, was uns an den Ideen des_r jeweils anderen gefiel.

Insgesamt habe ich bislang festgestellt, dass die Kommunikation über diese Wünsche und Neigungen nicht einfach ist. Aber sie lohnt sich. Sie führt dazu, dass man weniger positive Erfahrungen bespricht, aber auch festhält, was gut klappt. Und sie eröffnet Möglichkeiten. Einer Freundin erzählte ich einmal, dass ich mir manchmal vorstellte, sie würde ihr Wasser aus einem Napf trinken. Ihre Augen leuchteten auf, weil ihr die Idee auch gefiel – eine Idee, die anzubringen ich mich vorher nicht getraut hatte.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn man mit anderen guten Sex hat. Wenn ich Dinge tun kann, von denen ich weiß, dass die Frau mir gegenüber es genießt und Spaß daran hat. Und ich das nicht erraten musste – weil wir drüber gesprochen haben.

Hier eine kleine platonische Konsenserfahrung von em.:

gestern abend hatte ich mein 2. bewusstes konsens-erlebnis. beim dvd schauen fragte ich eine bekannte ob ich mich bei ihr anlehnen dürfte (mir war sehr nach körperkontakt und es brauchte einiges an überwindung meinerseits, diese person das zu fragen. zur klärung: ich wollte mich auch wirklich nur anlehnen, sonst nix). ihre antwort: „äh, Nein, da bist du bei mir an der falschen.“ okay, ich kam mir doof vor, fand’s schade und hab überlegt ob sie dachte, dass ich mir mehr erhoffe. ich wartete mit der nachfrage bis zum ende des films weil es mir wichtig war ihr klares Nein einfach so stehen zu lassen.
als ich die situation nach dem film nochmal ansprach und wir noch ein paar sachen klären konnten bzw. allgemein über das konsenskonzept sprachen, meinte ich zu merken, dass sie erleichtert war, dass ihr Nein wirklich okay für mich war, ich das nicht komisch fand noch als unnormal oder sonstwie bewertete und dadurch auch keine distanz zwischen uns entstand.
als sie mich zum abschied herzlich umarmte, war meine freude darüber groß weil ich wußte, dass das etwas war was sie mit mir teilen konnte und wollte.

Diese Geschichte stammt auch aus dem learning good consent Zine (es ist ein Ausschnitt aus „desiring consent“) und sie erzählt davon das Konsens sogar bei One Night Stands funktionieren kann – yeah :). Hier ist sie:

„Das ist eine Situation in der Konsens sehr gut funktioniert hat. Eines Abends war ich alleine in einer Bar und traf zufällig ein paar Freunde. Es war eine Person dabei die ich vorher noch nie getroffen habe und ich dachte mir “Sexy, mit der Person hätte ich gerne was.” Ein paar Biere später küssten wir uns draussen auf einem Parkplatz. Ich lud ihn zu mir nach Hause ein unter der Bedingung, dass wir nicht miteinander schliefen aufgrund des Fakts dass wir uns gerade erst getroffen hatten und beide recht betrunken waren. An einem gewissem Punkt schien es so als würden wir unsere Abmachung nicht einhalten, dann fragte er “Meinst du wir sollten weitergehen?” Ich antwortete “Nein, ich denke nicht, wir haben verabredet, dass wir nicht ficken würden bevor du hergekommen bist.” Und das war es dann auch schon. Wir küssten uns noch ein bisschen und schliefen ein.“

(Du musst zuerst meine Regeln unterzeichnen)

Ich flirtete auf Facebook mit einer Frau die ich in Spanien getroffen habe und sie sagte mir, dass sie gern Sex mit mir hätte. Wow, das war überraschend und sexy.
Trotzdem hatte ich Bedenken dass das schiefgehen könnte. Daher war meine Antwort: “You have to sign my rules first!” und schickte ihr eine kleine murksige Erklärung was Konsens ist. Dann saß ich mit klopfendem Herz vorm Rechner. Was wohl ihre Antwort sein würde? Zum Glück kam die Antwort schnell.
Ich hab sie gefragt ob ich ihre Antwort hier wiedergeben darf und sie hat ja gesagt. Ihre Antwort war:
“Wow! Ich stimme dem vollkommen zu!
Meiner Ansicht nach muss Sex in völliger Übereinstimmung mit der anderen Person sein, außerdem ist das die einzige Art wie ich mich wohlfühlen kann… Manchmal erwarte ich, dass die andere Person etwas tut ohne mich zu fragen, aber es muss die andere Person sein die feststellt das, falls das der Fall ist, wenn es mir in der Situation nicht gut geht…
Nun, Sex muss den Leuten die ihn haben auch Spaß machen…

Und ich bin ein Mensch, der die andere Person immer nach ihrer:seiner Meinung fragt… Also, falls ich dich küssen wollen sollte, werde ich dich danach fragen.”

Man, ich war völlig von den Socken. Endlich keine blöden Diskussionen mehr darüber, ob das jetzt okay war, dass ich ungefragt geküsst wurde! Mit einer derart positiven Reaktion hatte ich gar nicht gerechnet.

Deshalb empfehle ich allen Fernflirtern, Spontanschmusern, Langbeziehungsführern und allen anderen: Sag doch einfach mal “You have to sign my rules first.” und schick eine kleine murksige Erklärung hinterher was Konsens ist. Denn nur wenn die angeflirtete Person sagt: Ja, da mach ich mit! ist sie es wert dass du ihr oder ihm dein Herz, deinen Mund, deine Vagina oder deinen Penis schenkst.

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Sicher zurück
Ich führe eine Beziehung, die ich als hyper-konsensoriertiert bezeichne. Wir sprechen über Konsens und wir versuchen Konsens zu praktizieren, wenn wir zusammen im Bett sind, wenn wir nicht im Bett sind, in Briefen, per Telefon… es durchzieht die ganze Struktur unserer Beziehung. Das ist die Form unserer Weiterentwicklung, der Ort an dem wir sehen, wie unsere Beziehung wächst, sich ändert, immer und immer intimer wird. Wir reden über Sprache – welche Sprache uns stärkt*, mit welcher Sprache wir uns wohlfühlen.
Ich fühle mich wohl damit Brüste zu sagen, sie sich nicht. Für sie fühlt es sich gut an Vag zu sagen, für mich nicht. Es ist okay zwei verschiedene Vokabelsätze zu haben, einen für ihren Körper und einen für meinen. Wir sprechen über Formulierungen, über die Konnotierung von Dingen. Wir versuchen zu sagen „Möchtest du, dass ich…“ anstatt von „Kann ich …“ denn wir können eine Menge Dinge tun, und die mögen auch nicht besonders unangenehm sein… aber wollen wir es?
Wir mühen uns damit ab, dass wir verschieden oft Intimität oder Sex initiieren, die ###Konditionierung### die wir erfahren haben macht es manchmal schwer, nicht nur unsere Stimme zu finden und Wünsche auszudrücken, sondern auch zuallererst diese Wünsche wahrzunehmen. Neulich fragte ich sie am Telefon, ob sie die Art wie ich ihren Körper berühre, wenn wir uns küssen, mag, denn ich bin mir darüber nicht immer sicher. Sie sagte, dass sie das mag, aber dass sie es brauchte, dass ich mich öfter vergewissere, dass ich sie bei bestimmten Berührungen nach Konsens fragen soll, bevor ich sie berühre. Dies waren Dinge nach denen ich immer frage, ich gehe nie davon aus, dass sie okay sind. Ein Teil von mir war froh und erleichtert, dass sie es mir sagte, dass an den Dingen, die ich tue gearbeitet werden muss. Aber ein Teil von mir wollte weinen und sie nicht wieder berühren, erschreckt ob ich sie verletzt hätte und das nicht zurücknehmen könnte. Ein Teil von mir hasste mich. Das ist es womit wir kämpfen… Dinge aushandeln, gemeinsam lernen, akzeptieren, dass wir uns in einem Prozess befinden und nicht perfekt sind… akzeptieren dass wir es nur versuchen, versuchen eine Beziehung zu führen, die nicht für uns geschaffen wurde, kulturell gesehen … eine Beziehung in der wir uns über Liebe und gute Absichten hinaus in eine Entwicklung, hin zu Kommunikation, Verletzlichkeit, ###practice###(Anwendung, Ausübung, Geübtheit, Gewohnheit, Methode, Praxis, Übung) bewegen…
Alles geht langsam voran und sie würde mir in die Augen schauen und sagen „Wie geht`s dir?“. Sie hielt immer wieder inne, um sich bei mir zu vergewissern, obwohl ich jedes Mal zustimmte, und das gab mir das Gefühl, respektiert zu werden. Es gab mir das Gefühl als ob ich sicher wäre. Denn im Hinterkopf hatte ich, dass ich, wenn ich aus irgendeinem Grund anfangen sollte mich unwohl zu fühlen, und falls ich mich aus irgendeinem Grund nicht in der Lage fühlen sollte es zu sagen, dass sie wieder fragen würde und dass die Möglichkeit wäre sich zurückzuziehen oder langsamer weiterzumachen. Ich fühlte mich nicht gefangen, so wie ich mich früher immer gefühlt habe, wie „Ich bin so weit gegangen, jetzt gibt es keine Chance mehr hier raus zu kommen.“ Sie ließ mich die Entscheidung auf jeder neuen Stufe aufs neue treffen, und nur weil wir etwas zuvor schon ein Mal getan hatten, bedeutete das nicht, dass sie nicht nach Erlaubnis fragte, bevor sie es erneut tat.
Konsens kann so scheiß-furchteinflößend sein, denn du öffnest dich dafür zurückgewiesen zu werden. Du stellst einen sicheren Raum her, einen Raum wo dein Partner „Nein“ sagen kann. Aber was so heiß, so ermächtigend, so verdammt fantastisch an Konsens ist, ist das die „Ja“ zu wirklichen „Ja“ werden. Wenn du das erste Mal ein „Nein“ hörst entwertet/entkräftet das alle vorherigen „Ja“. Das erste Mal, wenn du ein „Nein“ hörst, ist es nicht wirklich eine Ablehnung, irgendein Fehler. Es ist eine Versicherung dafür, dass wenn du ein „Ja“ hörst, es ein „Ja“ ist und dass sie es dir sonst sagen würde, wenn dem nicht so wäre. Die „Ja“s werden erotisch und die „Nein“s ein Zeichen der Sicherheit und des Vertrauens, das sich aufgebaut hat, ein Zeichen, das Konsens wirklich funktioniert, dass das was du tust es die ganze Arbeit wert ist, richtig ist.
Ich gehe davon aus, dass jede/r, mit dem ich in Kontakt komme, Überlebende/r** ist. Wenn sie es mir irgendwann erzählen, großartig, aber ich möchte mir eher meines Verhaltens bewusst sein, als jemanden zu verletzen, um später herauszufinden, dass das hätte vermieden werden können mit ein paar einfachen ###consent practices###. Ich habe gelernt Menschen zu fragen, ob ich sie umarmen darf. Ich frage Kinder, ob ich sie hochheben darf. Ich frage einen weinenden Freund, ob si/e/r umarmt werden möchte, ob es ihnen gut damit geht, wenn ich ihre Hand halte. Ich habe einen Freund, der therapeutischer Masseur ist. „Die erste Regel für Massage ist immer zuerst Zustimmung zu bekommen.“ sagt er. „Aber ich habe festgestellt“, sagt er weiter, „dass das nicht nur für Massage gilt… dass ich die Prinzipien des Konsens auf jede Interaktion, die es in meinem Leben gibt, anwenden muss.“ Ich denke darüber nach, was er gesagt hat, wenn ich neben Fremden im Bus sitze, wenn ich Menschen auf der Arbeit helfe, wenn ich mit Freunden spreche. Konsens ist nicht in sich sexuell. Es geht um Kommunikation, darum, auf einen sicheren Ort*** hinzuarbeiten. Ich möchte, dass intime, private Erfahrungen sicher sind, aber ich möchte mich auch in der Öffentlichkeit sicher fühlen. Über Konsens nachzudenken bei all meinen Interaktionen gibt mir das Gefühl, dass ich in einer gewissen Weise einen Anfang mache, dass ich meinen Teil tue, um dazu beizutragen… Wenn wir Konsens praktizieren, erschaffen wir unseren eigenen sicheren Platz und dann sehen wir, ###dass sie mit anderen sicheren Plätzen übereinstimmen###.
Dies war meine Einleitung zu einem experimentellen Verständnis davon, Konsens zu praktizieren, wie es sich wirklich anfühlt und warum es so wichtig ist: Ich erinnere mich auf der Bettkante zu sitzen, zu knutschen und ganz zärtlich herumzufummeln, mit sanften Küssen, und ich erinnere mich, dass ich dachte „Das ist der beste Teil“ …Und dann erinnere ich mich von Bett aufgesprungen zu sein, im Zimmer auf und ab zu gehen, mein Herz hämmerte, ich war zu Tode verängstigt, hatte ein tiefes Loch, da wo mein Magen war, das mich lebendig zu verschlucken drohte. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind. Ich begann, mir selbst Mist zuzuflüstern und es wurde einfach schlimmer und schlimmer. Ich versuchte es zu zwingen, zurückzugehen und weiterzumachen. Ich konnte nicht in meinem Körper bleiben, ich konnte es nicht aufhalten, in den Wirbelsturm gesogen zu werden, der mich zusammengerollt in einen Ball weinen unter der Bettdecke liegen ließ. Ich konnte meinen Mund nicht öffnen und ich konnte sie nicht ansehen. Ich wollte ihr sagen, dass es nicht an ihr lag, dass sie nichts getan hatte, dass es nicht ihr Fehler war, dass ich sie liebe – aber ich konnte nichts sagen. Sie saß dort eine Minute lang und dann hörte ich sie sagen „Möchtest du, dass ich hier bin oder brauchst du Raum für dich?“ Ich konnte nicht antworten, deshalb änderte sie die Frage in eine Ja oder Nein Frage und sie fragte wieder „Möchtest du dass ich hier bin?“ Ich nickte unter den schützenden Bettdecken. „Kann ich dich berühren?“ fragte sie und ich nickte wieder und fühlte ihre Hand auf meiner Schulter.
„Du bist okay“ begann sie leise zu sagen „Alles ist okay, du bist sicher… du bist sicher… du bist sicher…“
Sie fragte mich, ob sie mich umarmen kann und ich nickte, sie kuschelte sich an mich und umarmte mich und ich fing an zu weinen und zu zittern. Sie hörte auf, mir Fragen zu stellen und ließ mich weinen und hielt mich fest. Als ich genug geweint hatte, nahm ich die Bettdecke von meinem Gesicht, drehte mich zu ihr um und schaute sie an. Ich sah ihr nicht in die Augen, aber sie hielt meinen Kopf sanft in ihren Händen, bis ich ihr in die Augen sah und sie fragte mich, wo ich war. „Bist du hier?“ „Du bist jetzt sicher, alles ist okay.“ sagte sie. Ich habe vorher nie dissoziiert und bin danach zurückgekommen. Ich musste es immer ausschlafen und wachte am nächsten Morgen fertig und verwirrt auf. Aber wir haben vorher über Trigger gesprochen, darüber, dass ich manchmal dissoziierte und was das für mich bedeutete, was ich brauchte, wenn das passierte. Wir hatten uns zusammengesetzt und das „Support zine“**** gelesen, wir sind die Fragen über Konsens am Anfang des Zines durchgegangen… wir haben uns auf Erfahrungen wie diese vorbereitet. Sie hat das, worüber wir gesprochen haben, geübt und es war das erste Mal, dass mich jemand zurückgebracht hat, es geschafft hat, mich sicher zurückzubringen.
* which language empowers us – wörtliche Übersetzung: welche Sprache uns mehr Macht gibt
** Überlebende/r – kommt von „survivor“ und wurde aus dem US-amerikanischem übernommen und bezeichnet Menschen, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Der Fokus liegt hierbei auf der Kraft, die die Person hat, da sie die Gewalterfahrung, wenn auch eventuell mit nachhaltigen Schwierigkeiten, überstanden hat.
*** safe space
**** „support zine“ ist eine selbst gemachte Zeitschrift die darüber informiert, wie man Überlebende** unterstützen kann

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