Wir lieben Konsens

Ja? Nein? Vielleicht?

Ich finde, ein klar formuliertes Ja kann sehr schön sein… wenn die Person das denn wirklich will. Was könnte ein Gegenstand sein, auf den man ein „Nein“ schön platzieren könnte? Vielleicht auf einem Kopfkissen? Vielleicht sollte ich einen schönen Ort finden und dort ein Nein anbringen. Vielleicht gibt’s auch ein Beweisfoto für euch. ;)

Ein Date, ein Gespräch, laute Musik im Hintergrund und dazu mein schlechtes Spanisch. Oft muss ich nachfragen, bis ich verstanden habe. Ob ich die Person begehre weiß ich nicht so genau, was eher für Nein spricht. Aber ich will unbedingt, dass heute Nacht noch etwas passiert.
Als ich frage, ob die Person auf mich steht ist die Atwort genauso vage wie mein Gefühl dazu. Oder habe ich nicht richtig verstanden?
Mein Wunsch nach mehr lässt mich nach der Hand der Person greifen, ich frage, ob er es mag. „Ja“ ist die Antwort aber es kommt nicht überzeugend, enthusiastisch rüber. Ich habe Angst, dass er zu höflich ist „Nein“ zu sagen, frage nochmals nach.
Wir halten uns an den Händen, berühren uns und ich mag die Wärme seiner Hände. Aber bezüglich meines Begehrens ist es genauso wie vorher: Ich will etwas, aber merke eigentlich so langsam, dass es zwischen uns nicht passt, ich ihn nicht begehre. Wieso beuge ich mich dann vor, um ihn zu küssen? Schmiege mich an seine Wange, frage ob er mich küssen mag.
Er küsst mich. Ich merke: Es passt nicht. Dennoch küsse ich ihn weiter. Obwohl ich den Eindruck habe, dass er genauso von unseren Küssen unberührt bleibt wie ich. Eine gefühlte Viertelstunde geht das so weiter, und ich weiß nicht, wie ich es beenden soll.

Heute habe ich Bauchschmerzen, wenn ich daran denke. Jetzt muss ich dazu stehen, dass ich das eigentlich nicht wollte, ihm sagen, dass ich ihn trotz der Küsse gestern eigentlich nicht begehre. Es geht mir schlecht mit dem gestrigen Abend. Ich habe das Gefühl nicht nur über seine sondern auch über meine Grenzen gegangen zu sein. Denn, ja, das bin ich.

Wann hätte ich wie die Notbremse ziehen können? Was für eine vollkommen unsinnige Art von Höflichkeit, sich aus einem ungewollten Kuss nicht zu lösen und zu sagen: Du, ich mag das nicht? Kann ich das überhaupt? Bin ich nicht viel zu gefangen in meinen Scripten, um aus einem Kuss auszubrechen? Ja, das bin ich. Besonders, wenn ich selbst den Kuss begonnen habe weiß ich nicht, wie ich mich daraus lösen soll.
Bisher waren unerwünschte Küsse immer von der anderen Person ausgegangen, waren nicht von mir initiiert. Daher war ich noch nie in der Situation, sagen zu müssen: Du, ich habe einen Fehler gemacht. Ich wollte diesen Kuss nicht.

In Gedanken gehe ich zurück zu gestern Abend, versetze mich wieder in die Situation hinein und stelle mir vor, den Kuss zu beenden. In Gedanken löse ich mich aus dem Kuss, nehme Abstand indem ich einen halben Schritt von ihm weggehe. Ich hole ein mal Luft und sage: Nichts. Denn ich schaffe es bisher noch nicht, die Situation wenigstens im Kopf gut aufzulösen.
Ich gebe mir Zeit. Ich verzeihe mir, dass das geschehen ist und gebe mir Zeit damit klarzukommen. Ich werde wieder und wieder versuchen die Situation in Gedanken aufzulösen. Wenn ich es geschafft habe berichte ich euch hier davon.

Ein Thema, mit dem ich mich lange nicht mehr beschäftigt habe ist das Benennen von Körperteilen. Dieser Text http://anschlaege.at/feminismus/2013/01/positionswechsel-warum-das-ding-einen-namen-haben-muss/ zeigt auf, warum es wichtig ist.

Also sollte ich vielleicht mal wieder in meine Wortsammenlung reinschauen und meine liebsten hier veröffentlichen. Habt ihr daran Interesse?

Sookee fürs Zustimmungskonzept

Nicht, dass wir es nicht alle schon längst gewusst hätten, aber: Sookee spricht sich explizit fürs Zustimmungskonzept aus. In ihrem Interview mit dem Tagesspiegel sagt Sookee:

„Worte helfen. In meiner sexuellen Praxis habe ich ein Zustimmungskonzept. Ich bringe kleine Sätze unter. Macht dir das Spaß, so wie ich dich da anfasse? Magst du das? Ich will nicht stumm vor mich hinvögeln, sondern finde es schön und mutig, wenn Leute sich im Bett Sachen trauen. Licht anlassen zum Beispiel. Rückmeldungen sind außerdem der größte Kick. Gleichzeitig kann ich es politisch nutzen, stelle nämlich sicher, dass ich keine Grenze überschreite. Die perfekte Kombi.“

Das ist ein Zitat von Sabine, der Protagonistin des Buchs „Gesucht wird die freundliche Welt“. Sie war vor längerer Zeit Teil einer Gruppe, die freie Liebe praktiziert und trifft im Schwimmbad Hotte, einen anderen, der Teil dieser Gruppe war.

Im Gespräch mit ihm fällt dieser Satz.

Nachdem sie schwimmen waren, gehen sie essen. Sie unterhalten sich und dann sagt sie zu ihm: „Weil ich mit dir schlafen möchte.“ Er antwortet: „Ich auch, Sabs.“

Kürzlich habe ich mich auf einer Party eine Weile mit einer mir bis dahin unbekannten Person unterhalten. Schließlich wurde ich gefragt, ob ich kuscheln möchte. Ich habe mich darüber gefreut und ja gesagt. Wir lagen also ineinandergekuschelt da. Dann wurde ich gefragt „Gibt es Stellen, an denen du nicht gestreichelt werden möchtest?“ Obwohl ich überall gestreichelt werden wollte hat mir die Frage ein sehr gutes Gefühl gegeben. Ich habe mich respektiert und sicher gefühlt.

Ich antwortete, dass ich gerade keine Stellen habe wo ich nicht berührt werden möchte. Und dann wäre ich eigentlich an der Reihe gewesen, die Frage zurückzugeben ob es Sachen gibt, die die Person nicht möchte. Ich habe mich nicht getraut, das zu fragen. Ich hatte den Satz schon fest im Kopf aber er kam mir nicht über die Lippen. Das ist schade, denn so habe ich mich nur getraut, das Gesicht, den Hals und die Schultern zu streicheln. Vielleicht wäre anderes oder mehr auch erwünscht gewesen?

Ich weiß es nicht. Für nächstes Mal nehme ich mir vor, wieder mutiger zu sein und zu fragen.

This is an excerpt from the book „Look Me In The Eye“ by John Elder Robinson which I like a lot because he describes how he is asking for things he likes. It’s from the chapter „Married Life“.

„When Martha first met me, I was anxious and jumpy. I was always tapping my foot, rocking, or exhibiting some other bevavioral aberration. Of course, now we know it’s just normal Aspergian behaviour, but back then other people thought it was weird, so of course I did, too.

One day, for some reason, she decided to try petting my arm, and I immediatly stopped rocking and fidgeting. The result was so dramatic, she never stopped. It didn’t take long for me to realize the calming effect, too. I like being petted and scratched.

„Can you pet me?“ I say when I sit next to her.

I also say, while tilting my head, „Scratch my fur.“ (…) She will scratch my head or rub my ears. Sometimes she rubs my forehead or my shoulders. And she scratches my back.

„Scratch lightly, with claw tips“ I say. Light scratching with somewhat sharp nails is best.

(…)

Every night, when we go to bed, she puts an arm or aleg on me, or lies up against me untill I fall asleep.

If she doesn’t, I complain.

„Come on,“I say „Put a paw on your mate!“

„Can you pet me?“

„Can you scratch my fur?“

I am always calmer and more relaxed in a pile, being petted.

Nowadays, for the first time, I fall asleep quickly and I seldom have bad dreams.

Dankeschön für den Hinweis einer Freundin auf diesen Text und Danke an Merle Stöver fürs verfassen!

Es geht darum, dass wir nicht einfach durch bloßes ausprobieren und tun herausbekommen können was die andere Person möchte.

tJm: „Yes! And doing it that way doesn’t make things awkward or boring, but hot. I enjoy sex a lot more if there is always an open line of communication and I know I am safe.“
may i?

dJu: „Schön.“
SJff: „ich find ja ‚yes means yes‘ immer noch prinzipiell problematisch…“
tJm: „Weil ein ja auch durch Manipulation oder Druck erreicht werden kann? Da würde ich Dir zustimmen.“
SJff: „ja, genau deswegen. letzten endes ist es ja doch nicht möglich, von der äußerung direkt auf die dahinterliegende intention zu schauen. man kann sich nur bemühen, eine atmosphäre zu schaffen, in der die ehrliche meinung geäußert werden kann. aber 100%ig sicher kann man sich da doch nie sein. was nicht heißt, dass ich gegen das bin, was auf dem flyer propagiert wird. aber ist halt doch immer nur eine annäherung und keine sicherheit – und ich finde, so eine sicherheit sollte auch nicht suggeriert werden.“
tJm: „Ja, das stimmt. Vor allem, wenn noch irgendwelche (z.B. emotionalen) Abhängigkeiten dazukommen, ist es häufig nicht leicht, eine solche Atmosphäre zu schaffen.“
sJff: “ außerdem bin ich auch immernoch der meinung, dass man nicht zwingend verbal fragen muss. ganz viel kann man auch mit sensibler, aufmerksamer und vorsichtiger nonverbaler kommunikation klären.“
tJm: „Stimmt. Mir ist es aber wichtig, dass immer eine verbale Verbindung auch da ist, dass es immer ok ist, auch etwas zu sagen, um Sachen klar zu kriegen. Und ich finde es sehr heiß, gefragt zu werden :-), aber das muss natürlich nicht bei allen so sein :-).“
hJb: „bei non-verbaler kommunikation ist die mißverständniswahrscheinli​chkeit denke ich größer…“
hJb: „also das ist für mich der kern der message, eben weniger interpretationsspielraum lassen, um (nicht-intentionale) übergrifflichkeiten zu vermeiden…kann aber auch keine heile welt schaffen, traumata und ihre trigger anzusprechen kann schon sehr weh tun…möglicherweise aber weniger, als sie körperlich auszulösen…“
dJu: „mögt ihr sowas nicht öffentlich auf wirliebenkonsens.wordpress​.com diskutieren?
tJm: „Meine Posts darfst Du gerne dort veröffentlichen, lieber ohne Namen :-9.“
sJff: „wenn ich mal zeit hab, überleg ich mir, ob ich dafür was schreibe. danke für den hinweis“
dJu: „‎*g* Darf ich den Dialog hier veröffentlichen? (Ohne Namen)“
sJff: „von mir aus darfst du mich auch ohne namen veröffentlichen.“
dJu: „Danke! Ähm… ihr dürft mich gerne erinnern, wenn ich es verpeil…“

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