Wir lieben Konsens

“Skripte existieren, um kommunikation zu vermeiden.” – Tanya

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 9. Mai 2012

Tanya hält einen Workshop über sexuelle Skripte am 17.6. um 19.00 in der Friedelstraße 45, in Berlin. Ihr seid dazu herzlich eingeladen! Mehr Informationen über den Workshop und zur Slut Conspiracy gibt es hier.

Dieses Video finde ich für einen Popsong ziemlich fern von den üblichen Skripten, kennt ihr ähnliche?

Kinder in der Bibliothek

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 8. Mai 2012

Ich sitze gerade in der Bibliothek, und es waren eine Schulklasse und eine Kindergartengruppe hier um Sachen auszuleihen. Die Schulklasse ist inzwischen weg, die Kindergartengruppe tröpfelt langsam hinaus. In der Nähe der Ausleihe sitzen zwei Kinder auf dem Boden, reden, haben kleine Meinungsverschiedenheiten und kabbeln sich daher ein bisschen um sich hinterher wieder zu vertragen.
Als ich an der Ausleihe stand um den Schlüssel für die Toilette zurückzugeben habe ich sie beobachtet und dabei folgenden Dialog gehört: “Wollen wir kuscheln?” “Ja.”
Sind sie nicht unglaublich erwachsen?

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 20. April 2012

got consent?

Gedanken über die Umsetzbarkeit und erste Erfahrungen der Umsetzung

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 8. April 2012

Ich habe schon vor ein paar Monaten vom Zustimmungsprinzip gelesen, ich war auch von Beginn an begeistert von diesem Konzept. Jedoch plagte mich eine Zeit die Unsicherheit wie ich es für mich umsetzen kann, vorallem befürchtete ich, dass es die Stimmung zerstören könnte, wenn für alles Zustimmung eingeholt wird. Daher redete ich mit vielen Menschen, die meisten waren genauso planlos in dieser Hinsicht. Fast alle sahen darin die gleichen Probleme. Eine Person erzählte mir jedoch, wie schön es für ihn*sie ist wenn er*sie gefragt wird und für welche Handlungen er*sie sich Nachfragen wünscht.

Das Zustimmungsprinzip wurde langsam nicht nur eine Sache die selbstverständlich sein sollte, nein vielmehr fand ich den Gedanken erotisch und sehr spannend. Freute mich direkt es “auszuprobieren”. Vorallem seh ich es als den Anker der mir die Unsicherheit nimmt, ob ich zu weit gehe, bzw. ob die andere Person genauso fühlt oder das selbe Verlangen hat.

In der Praxis erweist es sich jedoch als viel schwieriger, als ich dachte. Bei Menschen mit denen ich bereits Sex hatte, fällt es mir besonders schwer nachzufragen. Es fällt mir meist recht leicht, einer Person zu sagen, dass ich es schön fände ihn*sie zu küssen. Jedoch wird es mit steigender Intimität immer schwieriger, habe Angst, dass ich die andere*n Person*en verunsichere. Oder, dass ich sie*ihn gar unter Druck setze mit meiner Frage oder Wunschäußerung.

Vor kurzem bin ich knutschend mit einer Person im Bett gelegen. Es war toll. Ich fragte ihn*sie ob er*sie das T-Shirt anlassen möchte. Er*sie sagte ja. Das war auch völlig ok für mich und wir knutschten weiter. Nach etwa 10 Minuten zog er*sie das T-Shirt aus… das war der Punkt, bei dem ich mich fragte, ob ich mit der Frage zu weit gegangen bin und ob ich die andere Person unter Druck gesetzt habe. Nach dem Sex sprachen wir über den Sex, aber ich traute mich nicht mehr das T-Shirt anzusprechen.

Ich würde euch gerne noch von letzter Woche erzählen, bei einer Party lernte ich eine interessante Person kennen, wir hatten tolle Gespräche und uns echt gut verstanden. Zu späterer Stunde küssten wir uns, gingen darüber hinaus und schliefen neben einander ein. Ein paar Tage später trafen wir uns. Im Park lagen wir in der Wiese und redeten ewig über Beziehungen und Sex. Wir lagen uns sehr nah und streichelten unsere Arme und Hände. Ich sagte, dass ich ihn*sie gerne küsssen würde und ob er*sie es auch möchte. Es kam ein nein und dass ich süß sei, weil ich immer nachfrage. Ich freute mich extrem über dieses nein:) einfach aus dem Grund, weil ich mir sicher bin, dass er*sie es zugelassen hätte, wenn ich ihn*sie “einfach” geküsst hätte. Aber so habe ich das Gefühl, dass ich etwas richtig gemacht habe. Nächste Woche treffen wir uns wieder. Beim Schreiben stellt sich mir die Frage, wann es ok ist, wieder nach Zustimmung zu fragen,wenn die andere Person nein gesagt hat?

Es schwirren viele Fragen in meinem Kopf und ich muss noch viel an mir arbeiten um das alles umzusetzen. Aber ich freu mich darauf ;)

Schokoente

Komplimente des schüchternen Menschen

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 2. April 2012

Es war ein mal ein Mensch, der war zu schüchtern, seiner Freundin Komplimente zu machen. Wie gern hätte dieser Mensch gelegentlich “Das Verhältnis deiner linken Augenbraue zu deinem Kinn empfinde ich als ästhetisch perfekt.” gesagt. Sehr gern hätte dieser Mensch auch noch “Genauer gesagt ist der Winkel der beiden zueinander das, was die Ästhetik ausmacht.” angefügt. Doch wie gesagt, dieser Mensch war schüchtern.
Eines Tages fragte die Freundin den schüchternen Menschen: “Magst du meine Augenbrauen?” “Oh ja” antwortete der schüchterne Mensch “Sie sind wunderschön. Gemeinsam mit deinem Kinn ergeben sie das ästhetischste Gesicht das ich je gesehen habe.” Außerdem erwähnte er noch, dass das mit dem Winkel zu tun hatte welchen Augenbraue und Kinn bildeten.
Die Freundin errötete und freute sich. Der schüchterne Mensch tat es ihr nach. Sie lächelten sich an, denn durch dieses erste Kompliment ergab sich ein bis dahin nie dagewesener Moment der Zärtlichkeit.

Der schüchterne Mensch dachte über diese Situation später oft nach. “Was war es, was mich meine Schüchternheit für diesen einen Moment überwinden ließ?” Nach einiger Zeit wurde ihm gewahr, dass es die Frage seiner Freundin gewesen war. Auf eine Frage zu antworten, dazu fühlte er sich imstande, doch ohne gefragt zu werden wollte er sein Innerstes nur ungern preisgeben.
Und so kam es, dass der schüchterne Mensch seine eigene Schüchternheit austrickste indem er sich vorstellte, seine Freundin fragte ihn nach einem bestimmten Kompliment bevor er ihr das Kompliment machte. Bei all seinen Komplimenten freute die Freundin sich und errötete. Ihre Beziehung wurde inniger und zärtlicher, mit jedem Kopliment dass der nun nicht mehr schüchterne Mensch ihr machte.

Üben, Nein zu sagen

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 1. April 2012

Kürzlich war ich in der misslichen Situation, dass mir das Nein-Sagen abhanden gekommen ist. Ich habe seitdem mit mir gekämpft, meine_r_m Liebhaber_in Vorwürfe gemacht, geschwiegen und Berührungen erduldet.
All das hat mir nichts geholfen. Aber dann sind wir auf die gute Idee gekommen, dass Nein sagen zu üben. Sie_er hat mir verschiedenste Fragen gestellt, wie er_sie mich berühren könnte und ich habe sie alle mit Nein beantwortet. Seitdem geht es wieder besser mit dem Nein sagen.

Streichelabend

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 31. März 2012

Etwas, dass ich mir wünsche und vorstelle ist ein Abend der sich nur oder vorrangig ums streicheln dreht. Bei den vielen verschiedenen Arten Haut zärtlich zu berühren
Mit den Fingerspitzen, der ganzen Handfläche, mit oder ohne Fingernägeln, lange Haare über den Körper fließen lassen, mit einer Bürste oder einem Pinsel kitzeln oder ein Tuch über die Haut gleiten lassen… Vorsichtig zärtlich und sanft, etwas fester oder sehr fest… Und der Mensch den ich streichle sagt rot, gelb, grün, gut, besser, anders, woanders, Stop – einfach alles, das ausdrückt, was er_sie sich wünscht. Eine wunderschöne Übung! Und viel mehr als nur eine Übung.

Ja-Modus und Nein-Modus

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 30. März 2012

Für manche Menschen ist ganz klar, dass ihr Schweigen Zustimmung bedeutet. Wenn sie etwas nicht mögen, dann sagen sie es schon und deshalb braucht mensch nicht extra zu fragen (Ja-Modus). Für Andere ist das ein no go und es muss sich immer erst die verbale Zustimmung eingeholt werden, bevor etwas gemacht wird (Nein-Modus).
Aber es ist nicht für alle immer gleich, es kann sich auch abwechseln. Mal ist Schweigen Zustimmung, mal muss sie sich erst eingeholt werden.
Deshalb finde ich es immer gut, zu sagen in welchem Modus mensch gerade ist. Und manchmal spart es so viele Worte….

Fragen zum Küssen

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 28. März 2012

Manchmal ist es an der Zeit, sich noch mal mit den absoluten Basics auseinanderzusetzen. Zum Beispiel damit, wann und weshalb Einvernehmlichkeit beim Küssen wichtig ist.

Nicht zur Diskussion steht ja, dass mensch vorm allerersten Kuss rauskriegen muss, ob er erwünscht ist. Und ich muss noch mal wiederholen: Nein, dass ein Mensch dich fragt, ob du ihn_sie zur U-Bahn begleitest, dabei deine Hand berührt und vorher kuschelnd mit dir auf einem Sofa saß bedeutet nicht, dass er_sie geküsst werden möchte.
Es bedeutet nur, dass die Person alles was davor hoffentlich wollte. Also: Frag!

Wie kannst du fragen oder signalisieren, dass du es schön fändest, wenn ihr euch küssen würdet? Ich mache das meist in den Moment, wo andere Menschen nonverbal verhandeln, ob geküsst wird. Am besten ist, erst ein Mal tief Luft zu holen und dir selbst dafür auf die Schulter zu klopfen, dass du so mutig bist. Ich mag es ja am liebsten, der Person bei einer Abschiedsumarmung “Wenn wir uns jetzt küssen würden, fände ich das schön.” ins Ohr zu flüstern. “Darf ich dich küssen?” oder “Magst du mich küssen?” sind aber auch Varianten, die ich schön finde.

Was ich fast jedes Mal – oder ein Mal für immer – kläre, ist die Frage nach Knutschflecken. Darf ich welche machen, wie ist es, wenn ich welche kriege? Ist das toll, ist das okay oder vollkommen daneben? Darf es generell sein aber gerade heute nicht, weil etwas ansteht, wo Knutschflecken nicht sein sollten?

Dann gibt es noch eine weitere Geschmacksfrage, die vielleicht nicht für alle relevant ist, aber für manche: Küsse mit Lippenstift. Ein Mensch, den ich mal geküsst habe fand es total super, hinterher meinen Lippenstift im Gesicht zu haben, so nach dem Motto “Dann sieht mensch, dass ich geküsst wurde! Das find ich gut!”
Andere wiederum nervt es total. Wenn der erste Kuss mit Lippenstift zusammenfällt ist es natürlich ärgerlich, aber anderenfalls kann mensch da ja mal nachhaken und gegebenfalls keinen Lippenstift tragen. (Ja, ich weiß… *seufz*)

Sind Küsse in der Öffentlichkeit in Ordnung – oder nicht? Als Geschmackssache, weil du andere knutschende Päarchen in der Öffentlichkeit nervig findest? Führt ihr keine (offizielle) Beziehung und es dir deshalb wichtig, dass niemand es mitbekommt? Oder ist es dir egal, was andere Menschen darüber denken, dass du küsst, wen du küssen möchtest? Für manche Menschen ist es auch eine Sicherheitsstrategie, sich in der Öffentlichkeit nicht zu küssen um homophober Gewalt aus dem Weg zu gehen – gehörst du dazu? Oder gehört die Person, die du küssen möchtest dazu?

Dann gibt es außer der Öffentlichkeit auf der Straße auch eine etwas privatere Öffentlichkeit – eine Szene, in der du dich bewegst, dein Freund_innenkreis, deine Mitbewohner_innen, Partys oder dein Arbeitsumfeld. Da stellen sich noch ein Mal die gleichen Fragen wie für die allgemeine Öffentlichkeit.

Natürlich kannst du vor jedem einzelnen Kuss fragen. Ich finde das nur ein wenig anstregend, daher kläre ich allgemeinere Fragen in einer Beziehung ab. Mit nichtBeziehungen muss sowas immer wieder neu verhandelt werden.

Und jetzt meine Frage an euch: Hab ich was vergessen?

Wer hier schreibt… und wie das für euch ist.

Verfasst von: thoughtsunderconstruction Am: 22. März 2012

Ist dir beim lesen dieses Blogs schon mal augefallen, was für eine geschlechtliche Identität ich habe, welche sexuelle Orientierung? Ist es offensichtlich? Hast du eine vage Ahnung?
Ich schreibe diese Fragen, ohne in die alten Blogeinträge reingeschaut zu haben.
Habe ich mich mal “geoutet”? Oh, ich glaube, ich muss das alles noch mal nachlesen!
Warum ich frage? Weil ich hier momentan alleine blogge und mir die Frage in den Sinn gekommen ist, ob ich zu einseitig blogge. Fehlt euch was? Wenn ja, was? Könnt ihr euch mit dem, was ich schreibe identifizieren?
Gibt es andere Sachen, die ihr kritisiert oder gut findet? Habt ihr Ideen, wen ich einladen könnte für einen Gastbeitrag oder für dauerhaftes bloggen?
Schreibt mir hier einen Kommentar oder an Zustimmungskonzept@web.de

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